LebensWert

beruflich erfolgreich und persönlich im Gleichgewicht

Authentisch sein!?

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„authentisch – lebendig – erfolgreich“ stand einmal über diesem Blog.
Ich habe vor einiger Zeit die Überschrift geändert.
Jetzt lädt Ina Macholds ein zur Blogparade zum Thema “Authentizität und Erwartungen in der Dienstleistung – ein Balanceakt?”.
Hier mein Beitrag dazu:

Im Fremdwörterbuch lese ich, authentisch stünde für „unverfälscht“ und „echt“.
Geht das als Diensleister, ja als erwachsener Mensch, überhaupt und ist das angemessen?

Authentisch sein, im Sinne, „mich immer so zeigen, wie ich bin“, geht nach meiner Ansicht nicht bzw. ist lebensfern und kompliziert. Denn wie bin ich denn? Dazu fällt mir soviel ein…

Und: Will wirklich jeder meiner Kunden das alles wissen? Auch alle meine Umklarheiten, Unsicherheiten oder Ambivalenzen? Soll und darf ich ihn überhaupt damit belasten?

Neulich lauschte ich zum Beispiel einem Gespräch mit einem Schädlingsbekämpfer. Er sagte: „Soll ich jetzt das Mittel für 85,- € oder das für 105,- € einsetzen?“. Der Kunde sagte: „Ich will, dass die Tiere weg sind. Welches Mittel dafür nötig ist, müssen Sie doch wissen!“ – Da will der Kunde nicht das Ganze Für-und-Wider. Er will, dass der Diensleister entscheidet.

Doch zurück zur Authentizität:
Ich muss einerseits schon innerhalb von mir auswählen, welchem Impuls, welcher Idee, welchem Eindruck ich folge (z.B. höre ich auf meinen Kopf oder auf meinen Bauch) und andererseits werde ich beachten, was in die Beziehung zu meinem Gegenüber hineingehört – oder nicht.

Fällt mir zum Beispiel im Coachinggespräch ein, dass ich heute abend meine Frau fragen will dass….. – werde ich das in den meisten Fällen wohl nicht äußern. – Bin ich deswegen unauthentisch oder eher angemessen fokussiert?

Andererseits: Wenn ich gerade einen großen Trauerfall erlebe, dadurch beeinträchtigt bin, und ich tue so als wäre nichts, verunsichert das meine Gegenüber, weil sie nicht wissen was los ist. Da werde ich wohl etwas sagen. – Wenn also jemand sich gar zu wenig zeigt, haben wir schon den Eindruck, er wäre „nicht authentisch“ und wollen mehr von ihm persönlich sehen. Er soll echter sein.

Oder: Da hat mir jemand im Vertrauen etwas mitgeteilt. In einem Gespräch mit anderen, wo dieses eine Rolle spielt, schweige ich, um die Vertraulichkeit zu wahren? Bin ich jetzt (generell) unauthentisch? Was wäre ich, wenn ich in diesem Moment ausplaudern würde, was ich weiß – authentisch aber unvertrauenswürdig?

Ja, Authentizität hat wohl etwas mit Balance, mit einem annähernd richtigen Maß, mit Angemessenheit zu tun. Authentizität pur kann es nur bei unreflektierten Menschen geben. Denn jeder, der sein Verhalten reflektiert, wird in vielen Situationen auch ambivalent sein. Und dies immer echt mitzuteilen, ist unpraktikabel, lebensfern und anstrengend.

Ich würde mir von einem Gegenüber keine pure Authentizität wünschen. Ich wünsche mir, dass er in wesentlichen Dingen angemessen authentisch ist. Was dies allerdings im Einzelfall bedeutet, ist Ermessenssache jedes Einzelnen. Und ja: Man kann dann darüber unterschiedlicher Meinung sein. Allerdings nicht, ob jemand authentisch oder unauthentisch ist, sondern ob er (mir) authentisch genug oder angemessen authentisch ist.

Meinen Klienten empfehle ich: So authentisch wie es jeweils möglich und angemessen ist zu handeln.
Das strengt am wenigsten an, weil man sich nicht zu sehr verstellt, andererseits dass Leben durch Über-Authentizität nicht unnötig verkompliziert.

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Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

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