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Das Sägezahnprinzip – Wie Sie mit kleinen Pausen wach, fit und präsent bleiben

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Sie sind Kopfarbeiter oder haben eine Arbeit, bei der Sie wach und präsent sein müssen? Dann lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie ihre Arbeitsfähigkeit über den ganzen Tag erhalten können.

Was heißt präsent sein eigentlich?

Kennen Sie das folgende Phänomen? Nach mehreren Stunden Arbeit kommen Sie aus dem Haus, um sich auf den Heimweg zu begeben. Die Gedanken kreisen noch um die Arbeit oder schon um das, was sie als Nächstes vorhaben. Von Präsenz im Augenblick kann keine Rede sein. Plötzlich spüren Sie, wie ein Windhauch ihre Nase umweht, ihre Füße auf dem Boden auftreten, sie hören die Straßengeräusche und nach und nach nehmen Sie die Umgebung mehr wahr. Vielleicht werden Sie sogar etwas langsamer, bleiben kurz stehen – irgendwie ist es wie ein Erwachen. Ein Erwachen in die „wirkliche reale“ Welt. Sie nehmen die Umgebung und Ihren Körper wieder wahr. Sie werden präsenter.
Und dieses Phänomen ist auch wirklich ein Erwachen. Ein Erwachen aus der Arbeitstrance.

War Ihr Inneres in den letzten Stunden mit Arbeitsthemen beschäftigt, rückten Umgebung, Familie, ja sogar die eigene Körperwahrnehmung zugunsten der Konzentration auf die Arbeit in den Hintergrund, geraten Sie jetzt wieder in einen anderen Zustand. Die Wahrnehmung ist nicht mehr tranceähnlich reduziert, sondern sie sind wieder voll da, wach und präsent. Sie fühlen sich wieder als ganzer Mensch.

Erst beim Aufwachen merkt man, wie weit vom „wirklichen Leben“ man weg war. Wer Glück hat, wacht noch im Arbeitszimmer oder kurz davor auf. Mit etwas weniger Glück erschrickt man sich, weil ein Auto laut hupt und man erkennt, dass man soeben bei roter Ampel über die Straße gegangen ist.
Und schon Mancher hat das Produkt vieler Stunden Arbeit später weggeworfen, weil er sich zwar etwas schön „zurechtgesponnen“ hat, allerdings durch zu wenig Präsenz an der Realität und den Bedürfnissen seiner Mitmenschen vorbei.

Manchmal ist die Arbeitstrance sinnvoll

Bei manchen Arbeiten ist es sinnvoll, die Konzentration soweit zu steigern, das ein Trancezustand entsteht und der Rest der Welt ausgeblendet wird. Alle verfügbaren Ressourcen sind dann auf einen Inhalt ausgerichtet. Wer denFacebook-Film „The Social Network“ kennt, kennt die Aussage über Programmierer: „Der ist gerade wieder im Tunnel“. Was soviel heißt wie: Sprich ihn jetzt nicht an, der ist jetzt ganz in seiner eigenen Welt.

Auch wenn es um körperliche Höchstleistungen geht, sind Trancezustände sehr hilfreich. Allerdings: Es scheint für uns Menschen nicht gut zu sein, zuviel in einseitigen Trancen zu verbringen. Auch das können wir an manchem Programmierer sehen, der sich in seiner Trance die Nächte vor dem PC um die Ohren schlägt und zum ungepflegten Nerd ohne soziale Kontakte wird.

Gerade wer mit Menschen arbeitet, direkten Kundenkontakt hat oder als „Kopfarbeiter“ Dinge entwirft, die Menschen ansprechen sollen, ist auf seine ganzheitliche Wahrnehmung angewiesen.

Wenn ein Kunde beispielsweise bemerkt, dass der Verkäufer so sehr in sein Produkt verliebt ist, dass er ihn und seine Bedürfnisse gar nicht wahrnimmt, wird er diesem Verkäufer recht bald den Rücken kehren.

Und wer etwas entwickeln will, was Menschen ganzheitlich anspricht, wird dazu auch seine ganzheitliche Wahrnehmung brauchen. Auch für unsere körperliche und seelische Gesundheit scheinen zu lange Trancezustände nicht förderlich zu sein.

Also: Gelegentlich Arbeitstrance, höchste Konzentration zum Erreichen guter Ergebnisse: Ja!
Zu lange und zu einseitige Arbeitstrancen: Nein!

Das ist leicht gesagt

Wohl jeder kennt den Zustand, dass eine interessante Arbeit ihn nicht mehr loslässt, ihn quasi immer weiter hineinzieht. Dieser Zustand muss sich nicht unangenehm anfühlen.
Kann aber zu unangenehmen Ergebnissen führen.

Wie kann man hochkonzentriert und denoch immer wieder wach und präsent arbeiten?

Machen Sie Pausen!
Das klingt einfach, ist nicht immer leicht, aber sinnvoll.


Dazu das Bild: Die senkrechte Achse verdeutlicht ihren optimalen Arbeitszustand, die waagerechte die Zeit. Ihre Aufmerksamkeit ist 10 Maß groß. 8 konzentrieren Sie auf den Inhalt Ihrer Arbeit. Mit 2 behalten Sie die Umgebung, also auch Ihren eigenen Zustand, im Blick. Sie sind präsent. Im Laufe der Zeit kommt die Erschöpfung. Es stehen weniger Maß zur Verfügung, nehmen wir an 9. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Sie reduzieren alle Wahrnehmungsstränge gleichmäßig. Für die Umgebung stehen noch 1,8 Maß zur Verfügung, für den Arbeitsinhalt nur noch 7,2 Maß. Man würde sagen: Die Arbeitsleistung läßt nach und die Präsenz sinkt.
Oder Sie vertiefen die Arbeitstrance. Sie nutzen weiterhin 8 Maß für den Arbeitsinhalt, haben jedoch für sich selbst und Ihre Umgebung „kaum noch einen Sinn“ – nur noch ein Maß. Sie sind weniger präsent.

Wird die Erschöpfung größer, haben Sie noch weniger Wahrnehmungsmaße zur Verfügung. Die Arbeitsleistung kann durchaus noch weiterhin konstant bleiben, durch tiefere Trance. Allerdings sinkt die Umgebungswahrnehmung dabei auf (fast) null. Sie sind fast nicht mehr präsent. Dann kann Sie nur noch die Feuerglocke oder eben das Auto an der roten Ampel wecken.

Später beginnt dann auch die Arbeitsleistung zu sinken. Spätestens dann ist es Zeit für Erholung. – Es muß wieder etwas (h)er(ge)holt werden: Maß(e) zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit.

Wollen Sie eine große Arbeitsleistung verbunden mit großer Präsenz, müssen Sie Ihre Maße immer wieder rechtzeitig auffüllen. Das geht mit Hilfe regelmäßiger Erholungspausen.

Die Kurve sieht dann ideal so wie die grüne aus, realistisch wahrscheinlich wie die blaue. Sie haben dann statt einer abfallenden Kurve viele Sägezähne. Damit sägt es sich auch besser…

So gestalten Sie die Pausen richtig

1. Rhythmus: Spätestens nach einer Stunde Arbeiten sollten Sie 5-10 Minuten Pause einlegen. Nach einer weiteren Stunde dann 15-20 Minuten. Spätestens nach 4 Stunden brauchen Sie eine größere Pause: 45-60 Minuten.

2. Inhalt: Die Pause ist dafür da, dass Sie den Kopf wieder frei bekommen und sich neu sortieren können. Unabdingbar dafür: Ändern Sie Ihre Körperhaltung. Wenn Sie bei der Arbeit sitzen, stehen Sie auf oder laufen Sie herum. Wenn Sie stehen oder Laufen: Setzen oder legen Sie sich hin. Am Besten noch an einem anderen Ort, in einem anderen Zimmer, im Freien.

Ideen zur Pausengestaltung für Kopfarbeiter und Menschen, die mit Menschen arbeiten

  • bleiben Sie kurz stehen, atmen Sie 3 mal tief ein und aus
  • nehmen Sie Ihren Köper wahr: Wie geht es Ihrem Nacken, Ihrem Schultergürtel, Ihren Füßen?
  • vor die Tür gehen. (Ich selbst gehe für kurze Pausen aus meinem Arbeitszimmer 2 Stockwerke nach oben auf die Terrasse, nehme 3 tiefe Atemzüge und genieße die Aussicht.)
  • das Fenster öffnen, die frische Luft auf der Haut spüren, tief aus- und einatmen
  • Wenn Sie mit Kollegen oder kunden zusammen sind und eigentlich nicht Pause machen können: Gehen Sie zur Toilette und tun Sie sich auf dem Weg etwas Gutes.

Wichtig ist: Tun Sie etwas solange, bis Sie merken, dass Sie „aufwachen“, mehr ankommen, präsenter werden.

Übrigens:
Um Erholungspausen kommen Sie nicht herum. Daran kann man nicht wirklich sparen. Man kann Sie nur aufschieben. Schieben Sie Ihre Pausen über Jahre hinweg auf, kommt irgendwann eine ganz große Pause: Krankheit, Burnout oder – die bessere Variante – ein Sabbatjahr.

Deshalb: Machen Sie Pausen. Kleine Pausen. Regelmäßig. Entscheiden Sie sich für eine Säge mit mehreren Zähne: Es arbeitet sich damit besser!

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

Ein Kommentar

  1. Gute und hilfbare Tipps. Ich werde sie in meiner Arbeit verwerten.

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