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Für’s neue Jahr: Warum Bewusstseinserweiterung für ein erfülltes Leben nicht reicht

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Der Jahresbeginn ist vielen von uns Anlass, sich für das neue Jahr etwas vorzunehmen.
Von abnehmen und Sport treiben über geschäftliche Ziele bis hin zu Bewusstseinserweiterung kommt einem da so jede Menge zu Ohren.
Als ich diesen Begriff “Bewusstseinserweiterung“ neulich hörte, fiel mir ein, dass ich vor zwei Jahren zu diesem Thema einmal einen Podcast verfasst habe. Leider ist der heute nicht mehr verfügbar, deswegen werde ich den Inhalt hier erneut wiedergeben:

Nichts für Überflieger: Warum Bewusstseinserweiterung für ein erfülltes Leben nicht reicht

Bewusstseinserweiterung ist ein Begriff, unter dem viel Verschiedenes verstanden wird. Schon bei der Frage, was mit Bewusstsein gemeint ist, kann man sehr verschiedene Meinungen hören.
Doch egal was sie gerade darunter verstehen, hier liegt heute das Gewicht auf dem zweiten Begriff: „Erweiterung“.

Und ich stelle mir und Ihnen die Frage, geht es heute noch um Erweiterung?


Bewusstseinserweiterung wird auch synonym verwendet mit „den Horizont erweitern“.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor 100 Jahren gelebt, in einer sehr bergigen Gegend, unten im Tal, zusammen mit der Dorfgemeinschaft. Im Sommer wurden die Tiere auf die Alm getrieben und nur gelegentlich ging auch ein Bewohner über die Berge ins Nachbartal oder von dort kam Besuch.

Das Leben war überschaubar. Im Winter war das Tal sogar von der Umwelt abgeschnitten. Man kannte jeden im Ort, man ergriff den Beruf, den schon die Vorfahren ergriffen hatten.
Eine sehr begrenzte Welt.

Da kann leicht das Bedürfnis nach Erweiterung entstehen. Man will Neues kennen lernen, wissen wie andere leben oder wie man etwas noch tun kann, andere Gesichter sehen – all das ist in dieser Situation ein Fortschritt.

Doch ist das heute auch noch so? Geht es heute wirklich noch um Erweiterung?

Geht es darum, noch mehr kennen zu lernen, noch mehr Menschen zu treffen, noch eine neue Sportart auszuprobieren, noch ein neues Projekt anzufangen?
Sicher, damit kann man sich gut beschäftigen. Das füllt die Zeit, aber erfüllend ist es nicht. Wie denn auch?

Stellen Sie sich vor, sie haben ein Stück Ton, rollen es erst zu einer Kugel, damit es sich besser bearbeiten lässt, und dann erweitern Sie es, das heißt, sie bearbeiten es mit den Händen oder rollen es mit einem Holz zu einem großen Fladen. Können sie, wenn es so flach daliegt, etwas hinein füllen? Nein! Egal wie weit sie den Ton ausrollen, die Fläche wird größer, aber hinein füllen können Sie nichts.

Was muss geschehen?

Stellen Sie sich vor, sie bearbeiten den Ton so weiter, dass daraus ein Teller oder gar eine Schüssel entsteht. Sie fangen an, nicht nur Weite hineinzubringen, sondern arbeiten auch an der Vertiefung. Können Sie jetzt etwas hineinfüllen? – Ja!

Erweiterung allein reicht nicht aus! Es braucht auch Vertiefung, wenn Erfüllung möglich werden soll!

Was das praktisch heißt?
Wahrscheinlich geht es heute nicht mehr um Bewusstseinserweiterung im Sinne von noch mehr kennen lernen, noch mehr wissen, noch mehr ausprobieren. Es geht um Vertiefung. Bewusstseinsvertiefung.

Die erreicht man nicht, indem man weiterhin über alles hinwegfliegt, alles kurz kennenlernt, sondern indem man sich für Eines entscheidet und dort anfängt in die Tiefe zu gehen.

Vertiefung geht so:

Statt nach der 20. Selbsterfahrungsmethode noch die 21. kennen zu lernen, sich für eine entscheiden und sie mindestens ein Jahr lang praktizieren.
Statt bei den ersten Schwierigkeiten den Job zu kündigen oder die Partnerschaft zu beenden, dabei bleiben und Wachstum und Reife ermöglichen.
Statt von Ort zu Ort zu ziehen, um den perfekten Ort zu finden, sich an einem Ort niederlassen und ihn (mit-)gestalten.

Das sind die Herausforderungen heute!

Bewusstseinserweiterung ist also nichts wert?

Doch. Um Erfüllung zu ermöglichen sind Weite und Tiefe in einem angemessenen Verhältnis notwendig. Indem wir auf den Erweiterungen früherer Generationen aufbauen können, scheint für uns Vertiefung heute das Wichtigere zu sein.

Ich wünsche ihnen für das Jahr 2013, das es Ihnen gelingt, ihrem Bewusstsein, Ihrem Leben, mehr Tiefe zu geben – damit Sie erfüllt sein können.

Lassen Sie es sich gutgehen!

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

Ein Kommentar

  1. Das ist gut, diesen anderen Begriff, Bewusstseinsvertiefung, ins Spiel zu bringen, um deutlich zu machen, worum es bei Bewusstseinserweiterung eigentlich gehen sollte. Ich verstehe darunter ein immer tieferes (bzw. höheres) Verständnis von sich selbst und dem Leben. Das innerlich Erfahrene wirklich umzusetzen, zu leben und auszudrücken – ja, das ist wohl die entscheidende Prüfung. Immer wieder neu.
    Und: ich habe an manchen Wegkreuzungen erfahren: manchmal ist es doch dran, eine lange praktizierte „Methode“ loszulassen. Wenn ich darüber hinausgewachsen bin und es zur Vertiefung einen „größeren Topf“ braucht.

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