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Scham: Die Verschämtheits-Falle

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Scham ist eine starke unangenehme Empfindung. Natürlich würden wir sie am liebsten vermeiden! Dies allerdings hat einen hohen Preis. Lesen Sie hier mehr dazu:

Scham macht uns Anders-Sein bewußt

Scham zeigt den Verlust der Achtung unserer Mitmenschen und der Selbstachtung an und will uns vor weiterer Abwertung oder gar Trennung schützen.

Scham überkommt uns, wenn wir uns zu weit vom allgemein Anerkannten entfernen und setzt die Energie frei, schnell wieder in den Rahmen des Erlaubten zurückzukehren.

Schon rein körperlich kann man dies beobachten: Wenn uns Scham überfallt, senken wir den Kopf, wir „verneigen“ uns vor den anderen oder vor der Norm.

Damit entgehen wir der Gefahr, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Denn das wäre, zumindest in der früheren Geschichte, äußerst gefährlich. Allein konnten (und können) wir nur schlecht überleben.
schamWahrscheinlich ist Scham eine so mächtige Empfindung, weil diese lebensbestimmende Dimension in diesem Thema mitschwingt .

Scham hat also zu tun mit den Normen und Regeln der Gemeinschaft, der wir uns zugehörig fühlen.
Zu sehr anders sein ist gefährlich. Man wird von den eigenen Leuten nicht mehr erkannt oder akzeptiert und steht allein da.

Wer sich schämt, spürt dies. Erinnern Sie sich daran: Man fühlt sich plötzlich allein und ausgeschlossen. Man meint, man wäre so sehr anders, dass einen die Anderen nicht mehr akzeptieren können und kann sich vielleicht sogar selbst nicht mehr akzeptieren.

Von der Scham zum verschämt sein

Sind Schamerlebnisse, vor allem in der Kindheit, zu massiv und bedrohlich, beginnt man verstärkt, sie vermeiden zu wollen: Man wird verschämt.
Man beginnt, auch normales Verhalten, auch Anderssein im tolerierten Maße, zu vermeiden, um ja nicht wieder diese schmerzhafte Einsamkeit oder gar Selbstablehnung zu spüren.

Der Raum der Möglichkeiten für eigenes Verhalten wird damit immer kleiner.
Denn:
Unsere Lebensumfelder ändern sich, die vermeintlichen Verbote aus den früheren Umfeldern nehmen wir mit ins aktuelle Umfeld – sie könnten ja noch heute gelten – neue Verbote kommen hinzu. Es gibt immer mehr (vermeintlich) Verbotenes. Das Erlaubte und Mögliche wird immer weniger.

Vielleicht kennen auch Sie in Ihrem Umfeld extrem verschämte Menschen. Menschen, die es unbedingt vermeiden wollen aufzufallen, anzuecken, anders zu sein. Allerdings: Wir sind nun einmal alle anders, als andere. Wenn wir uns zu sehr an den vermeintlich geltenden Normen orientieren, unterdrücken wir unser Bedürfnis uns zu entfalten.

Welche Normen gelten wirklich?

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich von „vermeintlich“ geltenden Normen spreche?
Damit will ich darauf hinweisen, dass wir uns eigentlich nie sicher sein können, wo genau die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem verläuft. Was in einer Gruppe von Menschen verboten ist, kann, wenn ein weiterer Mensch hinzu kommt, schon in den Bereich des Erlaubten rücken.

Nehmen wir beispielsweise an, Sie äußern in einer Gruppe etwas sehr Persönliches, was alle Anwesenden „blöd“, „abartig“ oder „unmöglich“ finden. Es kann sein, Sie erkennen, dass Sie hier weit über eine Grenze gegangen sind, erschrecken und Scham überkommt Sie. „Hätte ich das mal für mich behalten!“ denken Sie. Da ergreift jemand Partei für Sie und sagt: „Wieso ist das abartig? Ich mach das auch so. Und ich bin mir sicher, ein paar von euch auch, sie trauen sich nur nicht, es zu sagen!“ – plötzlich sind sie nicht mehr Derjenige, der Grenzen überschreitet und sich dafür schämen muss, sondern ein Pionier, der den Weg für Grenzerweiterungen für alle ebnet.

Schamerlebnisse können wir nicht vermeiden

Scham signalisiert uns, dass wir zu weit gegangen sind und stellt uns die Motivation und die Kraft zur Verfügung, schnell wieder in den Kreis der Gemeinschaft zurückzukehren.
Als Kind ist das angemessen. Da sind wir in der Regel vom augenblicklichen Umfeld abhängig. Und es ist auch völlig in Ordnung in dieser Hinsicht gefährliche Situationen zu vermeiden.

Als Erwachsener Mensch allerdings, leben wir in mehreren „Gemeinschaften“, auf die wir uns beziehen können. Was zum Beispiel im Kollegenkreis verpönt ist, kann im privaten Umfeld direkt gewollt sein.
Als Erwachsener können wir selbst derjenige sein, der uns (innerlich) zur Seite springt, wenn wir Schamerlebnisse haben und wir sind so dem augenblicklichen Umfeld nicht so total ausgeliefert.

Das nehmen verschämte Menschen jedoch emotional nicht so wahr

Sie wollen Schamerlebnisse vermeiden, weil Sie damit an etwas äußerst Schmerzhaftes erinnert werden, an frühere Schamerlebnisse. Deswegen schränken sie sich unverhätnismäßig ein. Ihr Bewegungsradius wird immer kleiner. Sie sind, obwohl heute erwachsen, von den früheren Erlebnissen bestimmt.

Das geht uns allen so!

Die früheren Erlebnisse sind in uns allen als Erinnerungen gespeichert. Dass sie aktiviert werden, können wir nicht wirklich vermeiden. Die Frage ist: Wie gehen wir mit ihnen um und vor allem: Wie gehen wir mit der Angst vor Schamerlebnissen um?
Lassen wir unser Handeln von dieser Angst unverhältnismäßig beeinflussen oder nehmen wir „die Gefahr“ wahr, schätzen das Risiko erwachsen ab und entscheiden uns dann, ob wir es eingehen oder nicht?

Denn, vom inneren Empfinden her kann es sich anfühlen, als warne diese Angst vor etwas Lebenbedrohlichem: Dem Ausschluss aus der für uns sorgenden Gemeinschaft. (Als Kind ist das eine reale Gefahr!)
In der heutigen Realität jedoch, im erwachsenen Leben sieht das Ganze viel weniger dramatisch aus. Da ist das, was innerlich als unverzeihlicher Fehler wahrgenommen wird, in den meisten Fällen nur ein kleiner Fehltritt.

Scham ist wichtig

Sie sichert unser Dazugehören ab. Sie sichert ab, dass wir in Verbindung (zu anderen Menschen) bleiben. Keine Scham empfinden ist genauso unangemessen, wie zuviel Scham zu empfinden.
Durch frühere schmerzhafte Schamerlebnisse kann allerdings unsere Wahrnehmung insofern beeinträchtigt sein, dass wir die Gefährlichkeit der Konsequenzen unseres Handelns oder So-Seins emotional viel größer einschätzen, als sie real heute ist. Wenn wir uns davon bestimmen lassen, werden wir immer verschämter.

Und da beißt sich die Katze in den Schwanz!

Eigentlich wollen verschämte Menschen vermeiden, etwas zu tun, was ihre Verbindung zu anderen Menschen auflöst und sie allein dastehen läßt. Sie wollen in Verbindung bleiben.

Um dies nicht zu gefährden, zeigen Sie immer weniger von sich, denn alles was sie zuviel persönlich preigeben könnte ja Anlaß für schmerzhafte Trennung sein. Sie halten sich zurück.

Verbindung entsteht allerdings dadurch, dass wir uns öffnen und etwas von uns zeigen. Wer verschlossen ist, hat es schwer, in Beziehung oder in Verbindung zu gehen. Er wird allein bleiben. Er sitzt in der Verschämtheits-Falle

Deswegen müssen wir immer wieder das Risiko eingehen

Wenn wir uns zu sehr von der Angst bestimmen lassen, allein zu dazustehen, weil sich die anderen von uns abwenden, werden wir allein dastehen, weil wir uns vor den anderen verschlossen haben.
In Verbindung zu sein erreichen wir nur, indem wir immer wieder neu in Verbindung gehen. Dazu müssen wir uns öffnen und sind verletzlich, ja.
Aber es führt kein Weg daran vorbei!

Das können Sie tun, um nicht in die Verschämtheits-Falle zu treten.

Hinterfragen Sie bei sich selbst zwei Sachen:

  • …wenn Sie sich für etwas schämen und damit allein und schutzlos fühlen, wie sehr sie wirklich -in ihrem heutigen Leben- allein und schutzlos sind. Oder noch besser: Fragen Sie sich, von wem Sie trotz Ihres „Fehltritts“ angenommen sind.
  • …die Angst davor, etwas zu tun, wofür Sie sich schämen müssten. Ist das, was passieren könnte, wirklich so gefährlich, wie es sich anfühlt?

Und seinen Sie in diesem Sinne immer wieder auch un-verschämt.

Erlauben Sie es sich, die Angst vor einem Schamerlebniss zurückzustellen und sich frei und offen zu zeigen, sich zu äußern, so zu sein, wie sie sind.
Wir sind nun einmal anders als andere. Und wir brauchen es, dies auch zu leben.
Stehen Sie dazu!
Stehen Sie zu sich und seien Sie ab und an etwas un-verschämter!

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

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