LebensWert

PersönlichkeitsEntWicklung

Sucht und Süchtiges

| 2 Kommentare

Weiterbildungswochenende in Halle: Warum spricht der Lehrtherapeut André Schulz» nur immer von „süchtigen Familien“? – hätte ich mich vor 3 Jahren noch gefragt. „Trinken denn dort alle?“

Da ich mich in den letzten Jahren mit Konstruktivismus und der Terminologie in der systemischen Beratung und Therapie beschäftigt habe, kommt mir dieser Ausdruck jetzt weniger exotisch, sondern eigentlich nur logisch vor. Warum soll es bei süchtigem Verhalten anders sein, als sonst?: Unser Verhalten ist auch umfeldabhängig. Daß einer ein Symptom zeigt (z.B. Sucht) hängt neben ihm selbst auch vom Gesamtsystem (Familie, Schule etc.) ab. Da bietet es sich an, das entsprechende Attribut auch an das umgebende System zu vergeben und mit dem gesamten System auf eine Veränderung hinzuarbeiten.

Wem die Worte „Konstruktivismus“ und „systemisch“ zu aufgeblasen sind oder zu wenig sagen: Stark vereinfacht ausgedrückt steht dahinter das, was Weisheitslehrer schon seit Jahrtausenden sagen: „Alles hängt mit Allem zusammen“. Es geht also nicht, an einer Stelle etwas zu ändern, ohne das Umgebende mit zu beeinflussen. Oder andersherum: Wer das Umgebende dessen ändert, was er ändern will, ändert auch dieses selbst.

Warum es sinnvoll sein kann, so scheinbar um die Ecke zu denken? – Oft sprechen Menschen, die ihr Verhalten ändern möchten, davon, daß ihnen das irgendwo (im Urlaub, in einer Klinik etc.) gelungen sei. Nachdem sie dann „geheilt“ wieder in ihrer alten Umgebung waren, stellte sich das alte Verhalten auch wieder ein. Sie sind wieder „in die alte Spur“ geraten. Na klar. Wenn die so tief ist. – Deswegen systemisch, deswegen die Arbeit mit einem System, statt isoliert mit einem Einzelnen.

(Hoffentlich lesen diesen Beitrag nicht meine schulkritischen Bekannten. Die sähen dann bei jeder neuen Gewalttat an einer Schule ihren Spruch von einer „gewalttätigen Schule“ verwirklicht. Und ob die Verwendung dieser Zuschreibung für die Problemlösung in solchen Fällen hilfreich und nützlich wäre, finde ich äußerst fraglich – vor allem wenn die Menschen, die dort arbeiten, mit diesen Worten konfrontiert würden.)

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

2 Kommentare

  1. Hallo Thomas,
    endlich hab ich mal die Zeit gefunden, dein Weblog anzuschauen und zu durchstöbern, bin natürlich am Artikel über süchtige Familien nicht vorbeigekommen …
    Habe einen kleinen Schreibfehler entdeckt: Gewalttat sollte dort stehen, im letzten kursiven Abschnitt.
    Und gerade frag ich mich, ob dieser Kommentar nur bei dir ankommt, oder ob den jetzt auch alle lesen können?
    Gruß und bis bald
    Anja

  2. Liebe Anja, danke für den Hinweis! Deinen Kommentar können alle lesen, wie Du siehst. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.