LebensWert

beruflich erfolgreich und persönlich im Gleichgewicht

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

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…sagte meine Großmutter oft. Und sie beschrieb damit auf ihre Weise ein wichtiges Wirkprinzip in Teams und Gruppen.

„Wer früher da ist, kommt vor den später Gekommenen“
Manchmal melden sich Teams oder Familien mit massiven Schwierigkeiten.
Machtkämpfe und Dauerstreit vergiften das Miteinander.

Die Lage verbessert sich oft wesentlich, wenn es (wieder) gelingt, eine Atmosphäre von Achtung und Wertschätzung aufzubauen. Doch Achtung und Wertschätzung wofür? – für die höchste Arbeitsleistung, für das Beste Aussehen, für die größte Anstrengung?

Nach meiner Erfahrung ist ein oft vernachlässigtes Kriterium die Frage: Wer kam hier wann dazu? Verständlich ist das. Denn heute wird nach vorn geschaut. Immer neue Veränderung scheint erforderlich und wird als wichtig angesehen. Da kann man sich mit Fragen nach der Vergangenheit doch nur als Looser outen!

Und dennoch zeigen sich manchmal geradezu wundersame Effekte, wenn auch in dieser Hinsicht die Rangfolge einmal genau benannt, angesehen und gewürdigt wird.

Heißt das nun, daß ich mir als neuer Chef von den „alten“ Mitarbeitern auf dem Kopf herumtanzen lassen muß, weil ich nach Ihnen gekommen bin?

Nein! Aber Sie tun gut daran, den „Alteingesessenen“ ab und an zu zeigen, daß Sie ihre lange Firmenzugehörigkeit achten – mit Worten oder Taten.

Manchmal ist das schwer. Gerade wenn man als neuer Chef eine Abteilung oder ein Unternehmen von alten Verkrustungen befreien will. Tun Sie es dennoch! Sie verbessern damit die Atmosphäre im Team wesentlich. Denn Achtung und Wertschätzung sind die wichtigsten Dünger guter Zusamenarbeit.

Es scheint so zu sein: Wer anderen die Achtung versagt, die Ihnen zusteht, bekommt von den Anderen auch die Achtung versagt, die ihm selbst zusteht. Wer seinen Mitarbeitern die Achtung für ihre längere Zugehörigkeit versagt, bekommt von ihnen die Achtung für seine Chefrolle versagt.

Und in der Familie?

Wenn das ältere Kind immer auf das jüngere Rücksicht nehmen soll und dann noch mit ihm zur gleichen Zeit ins Bett muß, kann es sein, daß es anfängt, das „Recht des Älteren“ einzufordern. Leider manchmal sehr indirekt und kaum erkennbar. Eltern gehen dann wegen Schul- oder Verhaltensproblemen mit ihrem Kind zur Beratung, behandeln ihr Kind noch strenger als zuvor und sind erstaunt, wenn sie dann von diesem Prinzip hören.

Warum ist das so? Und stimmt das immer?

Wenn ich das wüßte…
Ich bin sogar der Meinung, daß man sich nicht zu sehr an diesem Prinzip festbeißen sollte. Dies ist eines von mehreren Wirkprinzipien, welche sich auch gegenseitig beeinflussen. Aber wenn es einmal aus unerklärlichen Gründen im Team knirscht oder in der Familie Dauerstreit ausbricht, lohnt es sich auch zu schauen, wie es um die Ordnung im Hinblick auf die Dauer der Systemzugehörigkeit steht. Es könnte der Punkt sein, der Wesentliches verändert.

…und praktisch?

Gerade wenn Sie als neuer Chef im Team sind: Nutzen Sie doch eine Teamsitzung, um die Teammitglieder der Reihe nach erzählen zu lassen, wann sie unter welchen Umständen ins Team gekommen sind. Lassen Sie das Teammitglied anfangen, das am längsten da ist.

Und zu Hause begrüßen Sie Ihre Kinder beim Heimkommen der Reihe nach – das Älteste zuerst. Oder lassen Sie das Jüngste zuerst ins Bett gehen, das Älteste zuletzt.

Ist das nicht altmodisch?

Auch wenn es unmodern wirkt und wir uns wünschen, doch viel flexibler und zukunftsorientierter zu sein: Auch solche altmodischen Werte wie die Dauer der Zugehörigkeit legen wir nicht von heute auf morgen ab. Sie wirken immer noch.

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

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