LebensWert

beruflich erfolgreich und persönlich im Gleichgewicht

Wie frei sind Sie?

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Ich bin ein freier aufgeklärter Mensch. Ich gestalte mein Leben selbst.“ Sagte mir neulich ein Klient.“Genau,“ dachte ich „in dem Rahmen, in dem es dir möglich ist.“ .

Ja, wir sind frei unser Leben selbst zu gestalten. Und: wir sind eingebunden in ein Umfeld hier und jetzt, sowie geprägt durch unsere Herkunft.

Das Eingebundenensein im augenblicklichen Umfeld ist noch offen ersichtlich: der Chef mit seinen Allüren, die Steuergesetze oder die wirtschaftliche Lage – all das läßt sich nachvollziehen. Wie sehr wir durch unsere Herkunft geprägt sind, ist da schon undurchsichtiger. Ja, mancher will es deswegen auch gar nicht wahrhaben:

„Ich habe mich von meinen Eltern gelöst“

…sagt der Freiheitskämpfer, der sehr autoritär erzogen wurde. Und die Umstehenden fragen sich: Warum ist er denn immer so extrem auf Freiheit bedacht, dass es schon fast selbstzerstörerisch wirkt, warum rennt er davon, wenn es nahe wird, wieso kann er keine guten Bindungen eingehen?

Oder die Frau, die ihr Studium schon lange nicht fertig bekommt: Das gelingt ihr auf einmal, als ihr bewußt wird: Meine Großmutter wollte studieren und durfte von ihrem Vater aus nicht, meine Mutter hat studiert, aber dann aufgehört, als ich auf die Welt kam – Schwierigkeiten zu studieren haben für Frauen in meiner Familie „Tradition“.

Ja, wir sind (auch) geprägt durch unsere Herkunft.

Das kann man oft schon körperlich sehen. Natürlich haben wir die Möglichkeit etwas selbst zu gestalten: Wir können unseren Körper dick und fett fressen, ihn schlank trainieren oder Muskelmasse aufbauen. Was dabei meist jedoch nicht verloren geht, ist eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Vorfahren.

Ähnlich ist dies bei grundlegenden inneren Einstellungen, Denkgewohnheiten, bis hin zur Berufswahl. Ja, Anne Ancelin Schützenberger, Professorin für Psychologie an der Universität Nizza, beschreibt in ihrem Buch „Oh meine Ahnen – wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt“ sogar noch weitere Phänomene: Da gibt es über Generationen in einer Sippe immer am selben Tag Unfälle. Da löst sich bei einem Kind das Asthma, als in den Blick gerät, dass der Urgroßvater im Gaskrieg starb.

Erklärungen, wie das funktioniert und warum das so ist, habe ich nicht.

Allerdings kann man aus Erfahrung sagen: Bei unklaren Schwierigkeiten, bei wiederkehrenden Phänomenen, wenn Versuche, etwas im Hier-und-Jetzt zu klären immer wieder nicht fruchten, lohnt es sich, auch auf das Leben der Generationen vor uns zu schauen.

In Familienaufstellungen macht man das ja traditionell, wenn es um persönliche Schwierigkeiten geht. Ich habe festgestellt, dass dies bei beruflichen Schwierigkeiten genauso hilfreich sein kann: Da läuft zum Beispiel bei einem Mann das Geschäft schlecht, obwohl er „eigentlich alles richtig“ macht. Beim Erstellen des Berufsgenogramms, eine Art beruflicher Stammbaum, zeigt sich, dass sein Großvater mehrmals im Leben mit seinem eigenen Geschäft gescheitert ist. Nachdem das dem Klienten bewusst wird und er in einem Ritual „mit seinem Großvater darüber sprechen“ kann, fängt sein Geschäft an, besser zu laufen.

Oder denken wir an die Familien bzw. Sippen, wo über Generationen hinweg ähnliche Berufe gewählt werden: die Arztdynastie, die Künstlerfamilie, die Kaufmannssippe. Ist das alles Zwang der älteren Generationen oder Ideenlosigkeit der Nachfolgenden?

Bedenken wir: Die Welt ist unfassbar vielfältig.

Um uns überhaupt darin bewegen zu können, müssen wir diese Vielfalt in „Schubkästen“ einteilen: das ist wichtig – das ist unwichtig, das ist gut – das ist schlecht, darauf muss man achten – das kann man unbeachtet lassen. Manches davon erlernen wir bewusst. Vieles allerdings wird unbewusst weitergegeben: Wie wir beim Frühstück das gekochte Ei öffnen, wie und wie oft man sich wäscht, was von Fremden zu halten ist und und und.

Wir sind eingebunden in eine Tradition durch unsere Herkunft

– in umfassendem Maße. Wir stehen sozusagen auf den Erfahrungen unserer Vorfahren. Selbst wenn wir uns bewusst gegen Teile dieser Tradition stellen, werden wir Anderes unbewusst einfach weiterführen. Das ist so auch völlig in Ordnung. Daran müssen wir nichts ändern, sondern können uns voll dem heutigen Leben widmen.

Wenn wir dabei allerdings auf scheinbar nicht klärbare Schwierigkeiten stoßen oder immer wieder nicht weiterkommen, lohnt es sich, auf diese Tradition zu schauen. Dann können wir etwas, was bisher unbewusst wirkte, ins Bewusstsein heben und dadurch Veränderung bewirken, im persönlichen Bereich – und genauso bei beruflichen Themen.

Autor: THL

Thomas H. Lemke berät und coacht in Dresden und Leipzig zu beruflichem Erfolg und persönlicher Entwicklung. Schwerpunkte seiner Arbeit: Coaching für den Berufserfolg, GesprächsCoaching, Männerberatung, UnternehmensAufstellungen.

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